Ab Mai werden die Spielgeschwindigkeiten auf der Korn Ferry Tour für jedermann einsehbar sein. Was als Test auf der Nachwuchstour beginnt, könnte bald auch die besten Golfer der Welt betreffen — und die Debatte um Slow Play grundlegend verändern.
Das PGA Tour Policy Board hat im vergangenen November den Weg dafür freigemacht, und nun wird es konkret: Nach dem Colonial Life Charity Classic (14. bis 17. Mai) erscheinen erstmals öffentlich zugängliche Speed-of-Play-Daten auf den Spielerprofilen der Korn Ferry Tour. Durchschnittliche Schlagzeiten, die im laufenden Jahr 2026 bislang ausschließlich den Spielern selbst zur Verfügung standen, wandern damit auf die Statistikseiten der offiziellen Website und werden für jeden Fan abrufbar. Diese Woche ging ein entsprechendes Memo an sämtliche Mitglieder der PGA Tour und der Korn Ferry Tour, in dem die Details des Vorhabens dargelegt werden.
Das Memo nennt vier zentrale Ziele — und die Formulierungen sind auffällig spielerfreundlich gehalten. Wörtlich heißt es darin: Erstens soll den Fans ein wettbewerblicher Kontext geliefert werden, der es ihnen ermöglicht, Spielgeschwindigkeiten besser einzuordnen. Zweitens will man positive Geschichten rund um die Spielgeschwindigkeit erzählen und die derzeit überwiegend negative Wahrnehmung in der Öffentlichkeit korrigieren. Drittens geht es darum, ungenaue Informationen richtigzustellen und Spieler zu schützen, die fälschlicherweise als langsam abgestempelt werden. Viertens sollen die langsamsten Spieler gezielt informiert und ihre Fortschritte über die Zeit hinweg überwacht werden.
Eine Überraschung ist das Ganze nicht wirklich. Jay Monahan hatte bei der Players Championship 2025 bereits angekündigt, dass Speed-of-Play-Statistiken noch vor Jahresende auf der PGA Tour veröffentlicht würden — als „point of emphasis“, wie er es formulierte, angestoßen durch das umfangreiche Feedback der Fan-Forward-Initiative der Tour. Allerdings: Der ursprüngliche Zeitplan hat sich verschoben, wie so manches ambitionierte Reformvorhaben in Ponte Vedra Beach. Statt auf der großen Bühne der PGA Tour startet man nun zunächst eine Ebene darunter auf der Korn Ferry Tour.
Was genau wird für die Öffentlichkeit sichtbar? Laut dem Memo sowohl turnierspezifische Zeiten als auch Saisondurchschnitte für jeden einzelnen Spieler. Es wird ein übergreifendes Speed-of-Play-Ranking geben, in dem die schnellsten Profis ganz oben stehen — gemessen am jeweiligen Tourdurchschnitt. Darüber hinaus werden die Schlagzeiten nach verschiedenen Kategorien aufgeschlüsselt: Abschläge werden getrennt von Annäherungsschlägen ausgewiesen. Und, das ist besonders bemerkenswert, individuelle Durchschnittswerte sollen sogar während laufender Turniere in Echtzeit aktualisiert werden. Ein Detailgrad, den es in dieser Form bisher nirgendwo im professionellen Golf gegeben hat.
Möglich macht das ShotLink, jenes ausgefeilte technische System, das die Tour auch für ihre hochpräzisen Strokes-Gained-Statistiken nutzt — und nebenbei die umfangreichen Datenströme für Sportwettenanbieter speist. Auf der Korn Ferry Tour ist ShotLink erst seit Kurzem vollständig im Einsatz. Es braucht eine kleine Armee wachsamer und geschulter Volunteers, doch die Tour erhofft sich davon endlich belastbare und objektive Zahlen dort, wo bisher nur gefühlte Wahrheiten und subjektive Eindrücke kursierten.
Der Nutzen könnte vielfältig sein. Langsame Spieler bekommen schwarz auf weiß dokumentiert, was ihre ausgedehnten Routinen tatsächlich kosten. Spieler mit durchschnittlichem Tempo, die neben einem besonders schnellen Partner langsam wirken, erhalten Schutz vor ungerechten Urteilen der Zuschauer und Medien. Und die Tour selbst sammelt wertvolle Erfahrungswerte, bevor sie die Daten auch für ihre absoluten Top-Profis auf der großen Tour freischaltet.
Wann genau das passiert? Derzeit noch unklar. Die Wettbewerbsstruktur der PGA Tour befindet sich weiterhin im tiefgreifenden Umbau, und die Feldgrößen — ein ganz entscheidender Faktor für das Spieltempo auf dem Platz — stehen noch nicht endgültig fest. Größere Felder bedeuten zwangsläufig mehr Stau auf den Bahnen, und ohne fixe Rahmenbedingungen lassen sich Tempostatistiken nur schwer sinnvoll einordnen und vergleichen.
Die Korn Ferry Tour dient dabei als bewährtes Testlabor, durchaus vergleichbar mit den Minor Leagues im Baseball, wo mit Regeländerungen experimentiert wird, bevor diese den großen Ligen auferlegt werden. Aktuell sind auf der KFT beispielsweise Entfernungsmessgeräte erlaubt — eine konkrete Maßnahme zur Tempobeschleunigung, die 2026 erstmals systematisch und datenbasiert evaluiert wird. Ob Rangefinder letztlich auch auf PGA-Tour-Niveau kommen werden, bleibt vorerst abzuwarten.
Wie prominent die neuen Daten platziert werden, zeigen Screenshots aus dem internen Memo. In den Entwürfen für ein Spielerprofil erscheint das Speed-of-Play-Ranking direkt unterhalb der Strokes-Gained-Werte — also unmittelbar neben der wichtigsten und meistbeachteten Statistik im modernen Golf. Näher an die Pole Position kann man Tempodaten kaum rücken. Die Botschaft dahinter ist unmissverständlich: Die Tour meint es diesmal wirklich ernst.